Bild: Frey & Frey AG
Kreativität – unsere menschliche Superkraft
Kreativität wirkt auf den ersten Blick wie etwas Spielerisches, beinahe Flüchtiges. Doch sie ist tief in uns verankert – ein genuin menschlicher Antrieb. Natürlich besitzen auch andere Lebewesen die Fähigkeit, Probleme auf überraschende Weise zu lösen. Aber wir Menschen haben Kreativität auf ein anderes Niveau gehoben. Der Historiker Yuval Noah Harari führt dies auf eine besondere Eigenschaft zurück: unsere Fähigkeit, in grossen Gruppen zusammenzuarbeiten, gemeinsame Geschichten zu teilen und dadurch komplexe Ideen zu entwickeln. Erst dadurch wird Kreativität zu einer kollektiven Kraft.
Interessant ist auch der Vergleich mit Computern. Sie sind längst leistungsstärker als wir, wenn es um Rechenfähigkeit, Mustererkennung oder datengetriebene Prognosen geht. Doch in einem Punkt sind sie uns nicht überlegen: in der echten Kreativität. Denn die entsteht nicht nur im Kopf, sondern auch in unserer Intuition – im sprichwörtlichen Bauchgefühl. Die Forschung zeigt, dass unser Darm und das Nervensystem eng mit unserer emotionalen Wahrnehmung verbunden sind. Genau diese Verbindung aus Denken und Fühlen ist ein zentraler Motor für kreative Impulse.
WAS KREATIVITÄT EIGENTLICH IST
Kreativität ist vielfältig. Sie zeigt sich in grossen Durchbrüchen, aber genauso in kleinen alltäglichen Lösungen. Man unterscheidet unterschiedliche Formen von Kreativität:
die, die Neues erschafft,
die, die Probleme löst,
und die, die Bestehendes unerwartet verbindet.
Wie entsteht sie? Hier spielen mehrere Faktoren zusammen:
Wissen und Erfahrung – je breiter unser Horizont, desto mehr Material hat unser Gehirn zum Kombinieren.
Neugier und Offenheit – kreative Ideen entstehen dort, wo man Fragen stellt, statt Antworten zu verwalten.
Zeit und Raum – Kreativität lässt sich nicht erzwingen; sie braucht Momente der Leere und der Konzentration.
Mut zum Scheitern – ohne das Risiko, falsch zu liegen, gibt es keinen echten Fortschritt.
Austausch und Verbindung – kreative Ideen wachsen, wenn sie auf andere Perspektiven treffen.
Was Kreativität fördert – und was sie bremst
Eine unterstützende Umgebung, gute Methoden und eine passende Haltung können Kreativität enorm stärken. Ansätze wie Design Thinking zeigen, wie iterative Prozesse, Offenheit und Teamarbeit neue Lösungen ermöglichen. Ebenso wichtig ist ein Klima, in dem Fragen erwünscht sind, in dem ausprobiert werden darf und in dem Fehler Teil des Lernwegs sind.
Behindernd wirken dagegen starre Abläufe, Zeitdruck ohne Fokus, fehlender Austausch oder die Angst, etwas nicht perfekt zu machen.
Kreativität gehört nicht nur ins Design – sie gehört in die ganze Unternehmung
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus dem Vortrag: Kreativität ist lernbar. Sie ist kein Talent, das nur einigen wenigen vorbehalten ist. Jede und jeder besitzt eine Form von Kreativität – manchmal sichtbar, manchmal eher leise. Und sie findet sich in allen Bereichen unseres Unternehmens: in der Montage genauso wie in der Logistik, im Projektmanagement ebenso wie in der Administration.
Selbst in der Buchhaltung zeigt sich Kreativität – etwa wenn clevere Lösungen gefunden werden, um Prozesse effizienter zu machen. Kreativität ist also kein Privileg einer Abteilung, sondern ein gemeinsamer Erfolgsfaktor. Sie verbindet uns und hilft uns, als Team innovativ und zukunftsfähig zu bleiben.


