Martin, wie ist die Idee zur wineBANK Zürich entstanden?
Ich war schon lange fasziniert vom Konzept der wineBANK – dieses Zusammenspiel aus privatem Weinlager, exklusivem Club und Genusskultur hat mich sofort angesprochen. In Zürich fehlte bislang ein solcher Ort: ein Haus, das Weinsammler, Geniesser und ein hochwertiges Netzwerk unter einem Dach vereint. Die Stockerstrasse 64 bot dafür die ideale Ausgangslage; innerstädtisch, diskret, mit der richtigen Substanz.
Was war Deine wichtigste Anforderung an das Interior Design bevor auch nur ein Entwurf auf dem Tisch lag?
Für mich war von Anfang an klar: Exklusivität darf nicht laut sein. Ich wollte keine Räume, die sich beweisen müssen. Es sollte ein Ort entstehen, der sofort wirkt, durch Materialität, Proportion, Licht, und der gleichzeitig einlädt. Eine Bar, an der man sich wohlfühlt. Eine Lounge, die Diskretion erlaubt. Ein Weinlager, das man als Mitglied gerne aufsucht, nicht nur weil man muss.
Warum hast Du dich für Frey & Frey AG als Partner für Innenarchitektur und Gesamtumbau entschieden?
Frey & Frey brachte etwas mit, das für mich entscheidend war: Sie kannten das Konzept wineBANK bereits. Sie hatten den Standort in Bern realisiert und wussten daher genau, was dieses Konzept braucht; welche Atmosphäre es fordert, wo Funktion und Ästhetik in Konflikt geraten können und wie man beides auflöst. Dieses Vorwissen war Gold wert. Dazu kommt, dass sie Interior Design und Innenausbau wirklich zusammendenken, vom ersten Konzept bis zur Fertigstellung. Für ein Projekt dieser Komplexität, mit mehreren Nutzungsbereichen auf verschiedenen Ebenen, braucht man genau das.
Wie hast Du dir das fertige Ergebnis vor dem Umbau überhaupt vorstellen können, bei einem so komplexen Raum?
Das ist eine Frage, die ich oft höre und die Antwort ist: durch die Visualisierungen von Frey & Frey. Sie haben früh im Prozess hochwertige 3D-Darstellungen erarbeitet, die den zukünftigen Raum so greifbar gemacht haben, dass wir fundierte Entscheidungen treffen konnten, lange bevor die erste Wand stand. Materialien, Lichtstimmungen, Raumproportionen: Das war nicht mehr abstrakt, sondern erlebbar. Für mich persönlich war das ein grosser Vertrauensmoment.
Das Projekt umfasst sehr unterschiedliche Bereiche; Lounge, Bar, Degustationsräume, Weinlager. Wie schwierig war es, daraus ein kohärentes Ganzes zu schaffen?
Das war tatsächlich die grösste gestalterische Herausforderung. Jeder Bereich hat seine eigene Funktion und Stimmung, und trotzdem muss die wineBANK als Gesamterlebnis funktionieren. Was Frey & Frey sehr gut gelöst hat, ist die Verbindung der Ebenen: die geschwungene Treppe als skulpturales Element ist nicht einfach ein Erschliessungselement, sie ist ein Statement. Sie verbindet die Welt oben mit der Welt unten: visuell und emotional.
Welche Rolle spielt die Materialisierung für die Atmosphäre des Clubs?
Eine zentrale. Eichenholz, Naturstein, Messing, Textilien. Diese Materialien erzählen eine Geschichte. Sie stehen für Beständigkeit, für Handwerk, für Wertigkeit. Glas öffnet den Blick in die Welt des Weins und schafft Transparenz, ohne Diskretion zu opfern. Das Lichtkonzept ist ebensoentscheidend: In der Hospitality-Architektur bestimmt Licht massgeblich, wie Räume wahrgenommen werden, welche Stimmung entsteht und wiewohl sich Gäste fühlen.
Die wineBANK Zürich ist ein Member Club. Wie beeinflusst das die Anforderungen an das Raumkonzept?
Als Member Club muss der Raum verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig erfüllen und gut zoniert sein: Rückzug und Vernetzung, Genuss und Business, Intimität und Repräsentation. Unsere Mitglieder kommen nicht nur, um Wein zu trinken. Sie kommen, um sich zu treffen, zu degustieren, zu arbeiten, Gäste zu empfangen. Die flexibel nutzbaren Meeting- und Eventzonen sind deshalb kein Anhängsel, sondern ein integraler Teil des Konzepts.
Welche besonderen Herausforderungen mussten bei der Umsetzung dieses Innenarchitektur-Projekts gelöst werden?
Die besondere Herausforderung lag darin, ein neues, anspruchsvolles Nutzungskonzept in ein bestehendes Gebäude zu integrieren. Bereits in der Baueingabe war zentral, wie die Baubewilligungsbehörde das Projekt einordnet und welche Anforderungen sich daraus für Planung und Umsetzung ergeben.
Parallel dazu musste die neue Nutzung mit der bestehenden Gebäudestruktur und Gebäudetechnik in Einklang gebracht werden. Besonders die Einbindung eines neuen HLKS-Systems in das vorhandene technische Netz verlangte eine präzise Planung und eine enge Abstimmung mit dem Bestand, dem Betrieb und den Fachplanern.
Entscheidend war zudem, dass die vielen Beteiligten sorgfältig geführt und koordiniert wurden: Eigentümerschaft, Verwaltung, Facility Management, Fachplaner, Bauherrenvertretung und Unternehmer. Hier war es ein grosser Vorteil, mit Frey & Frey einen Partner an der Seite zu haben, der Innenarchitektur, Planung, Koordination und Bauleitung zusammenführen konnte. So liess sich das Nutzungskonzept baulich, technisch und organisatorisch sauber in den bestehenden Gebäudebestand integrieren.
Was bedeutet für Dich «Gastro & Hospitality». Wo beginnt gute Erlebnis-Architektur?
Gute Erlebnis-Architektur beginnt dort, wo der Gast nicht mehr über den Raum nachdenkt, sondern sich einfach richtig aufgehoben fühlt. «Gastro & Hospitality» bedeutet deshalb weit mehr als schönes Design. Es geht darum, Räume zu schaffen, die Begegnungen ermöglichen, Vertrauen fördern und gleichzeitig Diskretion wahren.
Gerade bei der wineBANK Zürich war diese Balance zentral: Der Raum soll Austausch und Networking unterstützen, aber nie aufdringlich wirken. Gute Architektur schafft Nähe, ohne sie zu erzwingen. Sie bietet Offenheit für Gespräche und zugleich Rückzugsmöglichkeiten für persönliche oder vertrauliche Momente.
Am Ende entsteht Qualität durch viele präzise Details: Proportionen, Akustik, Licht, Materialität und Atmosphäre. Wenn diese Elemente zusammenspielen, entsteht ein Erlebnis, das man spürt, auch wenn man es kaum einzeln benennen kann. Genau das war der Anspruch.
Die wineBANK ist gleichzeitig Weinlager, Genussstätte und Business-Netzwerk. Ist das Konzept aufgegangen?
Ja, und das freut mich besonders. Die verschiedenen Nutzungsformen greifen gut ineinander. Die wineBANK Zürich ist ein Ort, an dem man seinen Wein im Tresor lagert und ihn in besonderer Atmosphäre geniessen kann. Gleichzeitig entstehen immer wieder Begegnungen: Man trifft zufällig andere Mitglieder, kommt an der Bar ins Gespräch oder nutzt die Räume bewusst für eine Degustation, ein privates Dinner oder einen geschäftlichen Austausch. Und genau darin liegt die Stärke des Konzepts. Die Räume schaffen die Voraussetzung dafür, dass Genuss, Begegnung und Diskretion selbstverständlich nebeneinander bestehen können. Sie laden ein, um zu bleiben, ohne sich aufzudrängen.
Was würdest Du anderen Bauherrn oder Investoren raten, die ein ähnliches Hospitality-Projekt in Zürich oder sonst wo in der Schweiz realisieren wollen?
Nehmt euch die Zeit für die richtige Partnerwahl und klärt früh, wofür der Ort stehen soll und wer die Nutzer sein werden. Gerade im Hospitality-Bereich reicht es nicht, einzelne schöne Elemente zu planen. Es braucht ein gemeinsames Verständnis von Atmosphäre, Funktion, Betrieb und Qualität. Frey & Frey hat das verstanden.
In jedem Projekt gibt es Abwägungen und Anpassungen. Wichtig ist, dass die zentrale Idee dabei klar bleibt. Wenn Innenarchitektur, Visualisierung, Innenausbau und Projektleitung eng zusammenspielen, entsteht ein Ort, der nicht nur gestaltet wirkt, sondern im Alltag funktioniert und von den Gästen als stimmig erlebt wird.


